- Talentfrage - Muss ich Sachen schweben lassen können oder kann man das auch lernen? Und was macht eigentlich eine Hexe aus?
- Altersfreigabe - Ab wann kann man sich zum “Hexenabitur” anmelden?
=> Vickys Ansichten: Hexenabitur - Wie alt muß man sein, um eine Hexe zu werden?
- Einstellungssache - Welche Einstellung hat eine Hexe zu ihrer Lebensweise?
Was ist ausserdem nötig, was meint Ihr? Schreibt uns Eure Kriterien, die jemanden Eurer Meinung nach zur Hexe befähigen.
Da gibt es viele, viele unterschiedliche Meinungen, weshalb wir hier mal wieder nur für uns selbst sprechen können. Diese Unterschiede entstehen aber auch, weil Menschen auf verschiedene Weise in Kontakt zum Hexenkult geraten und nicht alle Wege für jedes Alter geeignet sind. So erhalten z.B. Menschen, die in Hexenfamilien aufwachsen, meist von früher Kindheit an eine ihrem jeweiligen Alter angepaßte Ausbildung – aber bist Du tatsächlich an bunten Bildchen von der Göttin für Dreijährige interessiert? Wahrscheinlich nicht. Wenn Du – wie die meisten von uns – nicht in eine solche Familie hineingeboren worden bist, stehen Dir grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen: Zum einen kannst Du Dich jederzeit mit einigen guten Büchern, viel praktischem Tun und Ausprobieren und vielleicht in Begleitung einiger Freunde oder Freundinnen selbst ausbilden. Zum anderen nehmen viele Lehrerinnen oder Lehrer im Hexenkult teilweise bereits Schüler/innen ab dreizehn oder vierzehn Jahren an. Die Frage ist nur, ob es das auch bringt, also ab wann Du von einer naturmagischen bzw. naturreligiösen Ausbildung wirklich etwas hast. Eine gute Lehrerin ist durchaus in der Lage, ihre ”Hexenlektionen” dem Alter der Schülerin oder des Schülers anzupassen, aber wie kannst Du vorher oder auch während des Unterrichts entscheiden, ob gerade Dein Lehrer das auch wirklich tut?
Außerdem ist das nicht die einzige Frage, die es in diesem Zusammenhang zu beachten gilt. Wir leben in einem wohlgeordneten, anständigen Land, in dem alles und jedes mit Gesetzen geregelt ist – unter anderem auch das Thema der ”Geschäftsfähigkeit”. Das heißt im Klartext: In Deutschland gilt ein sechsjähriges Kind als ”nicht geschäftsfähig” und dürfte also gar kein Geld für seine Ausbildung zur Hexe hinlegen, selbst wenn es das (woher auch immer) tatsächlich haben sollte. Kinder bzw. Jugendliche zwischen sieben und achtzehn Jahren sind ”eingeschränkt geschäftsfähig”, was bedeutet, daß sie für jede von Rechts wegen als Geschäftsabschluß anzusehende Transaktion die Einverständniserklärung ihrer Eltern oder ihres Vormundes benötigen. Habt Ihr in Bestellformularen für CD’s, Zeitschriften oder ähnlichem schon mal die Formulierung ”bei Minderjährigen Unterschrift des Erziehungsberechtigten” gesehen? Genau das ist hier gemeint. Genaugenommen dürfen Jugendliche nur Geld annehmen (also in Form von Geschenken, und dann ist es egal, wieviel); beim Ausgeben guckt man ihnen ganz schön auf die Finger. Mehr als Euer Taschengeld dürft Ihr ohne Erlaubnis Eurer Eltern nicht ausgeben. Da die meisten Seminare und Kurse jedoch etwas mehr als das kosten, kommt Ihr also wahrscheinlich nicht um ein vertrauliches Gespräch mit Euren Eltern herum. Dafür sind diese Gesetze ja schließlich da: Sie sollen sicherstellen, daß Ihr nicht ohne das Wissen Eurer Eltern irgendwelche drei Meter hohen Plüschbären anschafft oder mal eben die nächste Internet-Auktion sprengt (das fürchten viele Eltern übrigens mittlerweile beinahe am meisten, weil ihre Kids oft weitaus besser mit dem Internet umgehen können als sie selbst).
Darüber hinaus sollen diese rechtlichen Bestimmungen aber noch etwas schützen: das Recht Eurer Eltern, Euch eine Lebensanschauung und eine Lebensweise zu vermitteln, die sie für sinnvoll halten. Mag sein, daß Eure Eltern diesbezüglich Vorstellungen haben, die Ihr zwar als eher unsinnig empfindet, doch das ändert nichts daran, daß sie bis zu Eurer Volljährigkeit das Recht haben, die Einflüsse, denen Ihr Euch aussetzt und von denen Ihr verändert werdet, zu prüfen und gegebenenfalls auch abzulehnen. Deshalb ist für mich das Einverständnis der Eltern zur Ausbildung von Leuten, die noch nicht achtzehn sind, grundsätzlich Voraussetzung, auch wenn der Bereich Naturreligion hier zugegebenermaßen eine Grauzone darstellt, weil Jugendliche bereits mit vierzehn Jahren über ihre Religion entscheiden dürfen, was sich an Dingen wie der Konfirmation bemerkbar macht oder der nun plötzlich auftauchenden Frage, ob Ihr am Religionsunterricht in der Schule teilnehmen wollt oder nicht. In diesem speziellen Fall beißt sich also die Rechtslage zur Religionsfreiheit mit der zur Erziehungsberechtigung, aber ich wette mal, daß letztere da stärker bewertet wird. Schließlich sind wir hier kein Gottesstaat ...
Okay, nun haben wir die Frage danach, wann man sinnigerweise mit einer naturmagischen Ausbildung beginnen kann, von der rechtlichen Seite betrachtet. Das ist in einem Rechtsstaat notwendig, hat aber natürlich nichts mit den Inhalten des Hexenkults selbst zu tun. Während einer solchen Ausbildung lernt Ihr unter anderem, mit feinstofflichen Energien umzugehen, in Trance zu gehen, parapsychologische, metaphysische und mystische Konzepte zu erfassen – und vielleicht werdet Ihr Euch sogar mit den Grundlagen der naturreligiösen Priesterschaft auseinandersetzen. Das ist kein leichter Tobak. Um mit diesen Sachen fertig zu werden und dennoch die Füße auf dem Boden zu behalten, braucht man gute Nerven, eine stabile Persönlichkeit und idealerweise ein gewisses Maß an Lebenserfahrung. Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn man seinen Kopf zum Denken und nicht nur zum Haare Färben verwendet. Wer richtig gut werden will, sollte darüber hinaus Interesse an Naturwissenschaften, Philosophie, vergleichender Religionswissenschaft, der Menschheitsgeschichte und der Psychologie haben. Ihr müßt zwar nicht in jedem dieser Bereiche einen Doktortitel vorweisen können, solltet jedoch bald ein oder zwei davon intensiver verfolgen, und zwar jene, die Euch besonders liegen und auch bei Eurer magischen Spezialisierung weiterhelfen. Das hat übrigens nix und wieder gar nix mit ”Schulbildung” oder gar Schultypen zu tun – ich habe ehemalige Hauptschüler kennengelernt, die sich zwanzig Jahre nach Abschluß ihres Schulbesuchs begeistert und erfolgreich mit Themen wie der Quantenphysik oder existenzieller Philosopie beschäftigt haben (und das ohne nennenswerte Probleme, weil es ihnen als Erwachsenen einfach möglich ist, selbst zu bestimmen, was und wie sie lernen wollen).
Dazu kommt, daß die meisten Hexen, Heiden und naturreligiösen Priester/innen ihren Mitmenschen auf irgend eine unterstützende Weise zur Verfügung stehen. Sie beraten, nehmen seelsorgerische Aufgaben wahr oder führen andere durch schwierige Lebensphasen. Dafür benötigt man aber ein gewisses Maß an eigenen Lebenserfahrungen, an persönlicher Reife und auch an Ausbildung (und zwar nicht nur im naturmagischen Bereich). Selbstverständlich setzt niemand all das bereits zu Beginn der Ausbildung voraus – immerhin erwartet ja auch niemand von einem Psychologie-Studienanfänger, daß er bereits ein perfekter Therapeut ist. Doch der Punkt hat eine gewisse Berechtigung, vor allem dann, wenn Ihr unbedingt eine ”Weiße Hexe” werden wollt.
Am besten betrachtet Ihr Euch in einer ruhigen Minute selbst und fragt Euch, ob Ihr einen solchen Punkt erreicht habt oder noch etwas warten wollt, bevor Ihr eine Ausbildung zur Hexe oder zur naturreligiösen Priesterin anfangt. Auf der anderen Seite gibt es zu bedenken, daß niemand erleuchtet geboren wird (wenn doch, bitte ich Dich um Entschuldigung, Jesus, aber ich wußte nicht, daß Du tatsächlich bereits wiedergeboren bist) und naturmagische Ausbildungen deshalb immer an die Person angepaßt werden müssen, die sie erhält – sei diese nun sechzehn oder sechsundvierzig. Ich persönlich bilde nur sehr selten Menschen aus, die jünger als achtzehn sind, und auch dann nur mit elterlichem Einverständnis. Leuten unter sechzehn sage ich gerne, mit welchen Büchern sie sich schon mal einlesen können, aber unter vierzehn läuft bei mir gar nichts.
Vicky Gabriel
Alles Liebe und Blessed Be,
:-) 
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